«Die Studierenden bringen frischen Wind in den Arbeitsalltag» Einblick in die Ausbildung bei der Spitex Heitersberg

Die Spitex ist ein wachsender und zunehmend anspruchsvoller Versorgungsbereich – und ein wichtiger Ausbildungsort für angehende Pflegefachpersonen HF. Sarina Wiehl, dipl. Pflegefachfrau HF und Berufsbildungsverantwortliche bei der Spitex Heitersberg, gibt im Interview Einblick, was Studierende in der ambulanten Pflege erwartet, welche Kompetenzen künftig noch wichtiger werden und wie die Zusammenarbeit zwischen Ausbildungsbetrieb und HFGS gelingt.

Verantwortung von Anfang an

Als Berufsbildungsverantwortliche plant Sarina Wiehl die Ausbildung der Studierenden, koordiniert die Teamzuteilung und begleitet sie gemeinsam mit den Berufsbildnerinnen durch den gesamten Ausbildungsverlauf. Für den Betrieb hat die Ausbildung von HF-Studierenden strategische Bedeutung: «Unser Ziel ist es, interessierten und motivierten Menschen eine ganzheitliche und fundierte Ausbildung zu ermöglichen, damit auch in Zukunft gut ausgebildete Pflegefachpersonen die Pflege und Versorgung unserer Klientinnen und Klienten sicherstellen können.» Die Studierenden, sagt sie, brächten dabei nicht nur neues Wissen, sondern auch frischen Wind in den Teamalltag.

Was die Spitex besonders macht

Anders als im Akutspital oder in der Langzeitpflege findet die Arbeit bei den Klientinnen und Klienten zu Hause statt – ohne Ärztin oder Kollegen in Griffnähe. Das verlangt von den Studierenden viel: Eigenverantwortung, klinische Einschätzungsfähigkeit und die Fähigkeit, Prioritäten selbständig zu setzen. «Eine Pflegefachperson in der Spitex muss in der Lage sein, einen Gesundheitszustand klinisch einzuschätzen, Krisen zu erkennen, Probleme zu priorisieren und Massnahmen abzuleiten und umzusetzen», so Sarina Wiehl. Gleichzeitig bleibt der Kontakt zu Angehörigen und dem interdisziplinären Netzwerk zentral, um eine langfristige Betreuung zu Hause zu ermöglichen.

Was Studierende mitbringen sollten

Gefragt sind laut Sarina Wiehl motivierte, strukturierte und selbstorganisierte Studierende mit Freude an der Arbeit mit Menschen und an selbständigem Handeln. Psychische und physische Belastbarkeit, Resilienz und direkte Kommunikationsfähigkeit gehören für sie ebenso dazu wie Teamfähigkeit und Zuverlässigkeit.

Schule und Praxis im Dialog

Den regelmässigen Austausch zwischen Schule und Betrieb erlebt Sarina Wiehl als wertvoll – ebenso wünscht sie sich, dass die HFGS bei Schwierigkeiten im Ausbildungsverlauf frühzeitig den Kontakt sucht. Als Themen mit Entwicklungspotenzial nennt sie unter anderem die Leistungsabrechnung und Finanzierung von Pflegeleistungen sowie spezifische Schulsequenzen mit Fokus auf den Versorgungsbereich Spitex – etwa zur systematischen Erfassung komplexer Pflegesituationen oder zur Beratung von Angehörigen.

Ein Beruf mit Zukunft

Frühere Spitalentlassungen, demografischer Wandel und zunehmende Digitalisierung verändern das Kompetenzprofil in der Spitex laufend. Für Sarina Wiehl bleiben die ganzheitliche klinische Einschätzung, selbständiges Entscheiden und interdisziplinäre Vernetzung zentrale Zukunftskompetenzen – ergänzt durch ein wachsendes Bewusstsein für die eigene Gesundheit und Resilienz. Ihr Rat an angehende Pflegefachpersonen: «Halten Sie Ihr Fachwissen laufend aktuell und arbeiten Sie an Ihren Kompetenzen weiter – auch nach dem Studium.»