Menschen. Partnerschaften. Erfolgsgeschichten.

Was macht die HFGS aus? Die Menschen und Partnerschaften, die unsere Ausbildung jeden Tag mittragen. In unseren Geschichten erzählen sie, was sie bewegt, was sie einbringen und wie sie gemeinsam mit der HFGS die Verbindung von Bildung und Praxis gestalten.

Sarina Wiehl, Spitex Heitersberg
Wie Schule und Praxis zusammenarbeiten – und warum Studierende auch für die Spitex wertvolle Impulse bringen.

Frau Wiehl, Sie sind dipl. Pflegefachfrau HF und Berufsbildungsverantwortliche bei der Spitex Heitersberg: Welche Aufgaben verantworten Sie in dieser Funktion bezüglich der Ausbildung von Studierenden?

Ich bin zuständig für die Ausbildungsplanung (Schultage, TT- Tage, Praktika), die Teamzuteilung und die Unterstützung der Berufsbildnerinnen wie auch der Studierenden im Ausbildungsverlauf. Ich bin ebenso dafür verantwortlich, die Ausbildungsqualität sicherzustellen und Ausbildungsrelevante Dokumente und Prozesse zu erstellen und aktuell zu halten. Ich bin erste Ansprechperson für externe Bildungsanbieter und andere an der Ausbildung beteiligte Personen.

Welche Bedeutung hat die Ausbildung von Studierenden HF für die Spitex Heitersberg insgesamt – fachlich, aber auch strategisch für die Zukunft Ihres Betriebes?

Die hochwertige Pflege und Betreuung unserer Klientel liegt uns sehr am Herzen. Unser Ziel ist es, interessierten und motivierten Menschen eine ganzheitliche und fundierte Ausbildung in einem spannenden und anspruchsvollen Arbeitsbereich zu ermöglichen, damit auch in Zukunft gut ausgebildete Pflegefachpersonen die Pflege und Versorgung unserer Klientinnen und Klienten sicherstellen können.

Die Studierenden bringen neues Wissen und frischen Wind mit in den Arbeitsalltag und sind wertvolle Teammitglieder.

Was sollten Studierende aus Ihrer Sicht bereits mitbringen, wenn sie in einer Spitex wie der Ihren starten – fachlich und persönlich?

Wir schätzen motivierte und interessierte Studierende, welche Freude an der Arbeit mit Menschen, der Pflege und an selbständiger Arbeit haben und strukturiert und selbstorganisiert vorgehen können. Der Beruf verlangt psychische und physische Belastbarkeit und ein hohes Mass an Resilienz, wobei Fähigkeiten zur direkten Kommunikation für die Ausbildungsbegleitung unabdingbar sind. Das Arbeitsfeld der Spitex fordert ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Zuverlässigkeit, wobei die Fähigkeit zur Teamarbeit nicht ausser Acht gelassen werden darf.

Worin unterscheidet sich die Arbeit einer Pflegefachperson in der Spitex besonders von anderen Versorgungssettings (z. B. Akutspital, Langzeitpflege)?

Die Arbeitsumgebung ist bei Klienten zu Hause, in ihrem privaten Umfeld und nicht in einer Institution des Gesundheitswesens. Eine Pflegefachperson muss sich an die stets wechselnden Wohnbedingungen anpassen können, sie muss kreativ sein in der Umsetzung der pflegerischen Tätigkeiten auch in herausfordernden Wohnsituationen. Andere Mitarbeitende und auch Ärzte sind nicht zur direkten Unterstützung verfügbar, was ein hohes Mass an Eigenverantwortung und Entscheidungskompetenz erfordert.

Eine Pflegefachperson in der Spitex muss somit in der Lage sein, einen Gesundheitszustand klinisch einzuschätzen, Krisen zu erkennen, Probleme zu priorisieren und Massnahmen abzuleiten und umsetzen zu können.

Die Pflegefachperson in der Spitex ist stets im interdisziplinären Austausch und pflegt den Kontakt zu Angehörigen/dem sozialen Netzwerk, um eine langfristige Pflege und Betreuung zu Hause ermöglichen zu können.

Mit welchen typischen Herausforderungen sind Studierende in der Spitex-Heitersberg-Praxis konfrontiert – beispielsweise in Bezug auf selbstständiges Arbeiten, klinische Entscheidungsfindung oder den Umgang mit komplexen Situationen zu Hause bei Klientinnen und Klienten?

Studierende in der Spitex Heitersberg arbeiten oft selbständig, können sich jedoch jederzeit bei ihrer Bezugsperson melden, wenn Unsicherheiten und Fragen auftauchen. Die Studierenden lernen früh, eine Situation ganzheitlich zu betrachten und den Gesundheitszustand einzuschätzen, komplexe Situationen klinisch zu erfassen und gegebenenfalls Hilfe anzufordern oder erste Massnahmen einzuleiten. Die Berufsbildnerinnen unterstützen die Studierenden in ihrem individuellen Lernprozess dabei, ihre Resilienz zu stärken, ihr Fachwissen zu erweitern und die geforderten Kompetenzen zu entwickeln.

Wie können Ausbildungsinhalte und -methoden an der Höheren Fachschule besser darauf vorbereiten? Gibt es Themen, die aus Ihrer Sicht zu kurz kommen?

Transferfragen und Praxisnahe Beispiele unterstützen das vernetzte Denken. Eine konkrete Situation aus dem Akutbereich in den Spitex Bereich zu transferieren, zeigt auf, welche Herausforderungen im anderen pflegerischen Umfeld zu bewältigen sind.  Ein weiterer grosser Unterschied zur Arbeit in einer Institution ist die Thematik der Leistungsabrechnung und der Finanzierung unserer Pflegeleistungen. Das Verständnis dafür und für die Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und umliegenden Gemeinden bringt viele spannende Aspekte aus einem anderen Bereich und sollte in der Schule auch thematisiert werden.

Wo erleben Sie, dass Schulen die Praxis bereits gut unterstützen, und wo wünschen Sie sich eine stärkere Ausrichtung auf die Realität der Spitex?

Die Studierenden werden auf ihrem individuellen Ausbildungsweg und in ihrem Lernprozess durch Mentorinnen und Mentoren eng begleitet und bei Unklarheiten unterstützt. Eine noch intensivere Vorbereitung auf die komplexe Rolle im Gesundheitssystem — mit einem klaren Fokus auf Selbstständigkeit, Qualität und Menschlichkeit im ambulanten Setting wäre wichtig und sinnvoll, um in Zukunft den hohen Anforderungen in der Spitex begegnen zu können.

Welche Formen der Zusammenarbeit zwischen Ihnen als Berufsbildungsverantwortlicher und der HFGS bewähren sich heute bereits?

Der regelmässige Austausch zwischen Schule und Betrieb im Sinne einer Informationsweitergabe erlebe ich als positiv. Ich wünsche mir, dass die Kontaktaufnahme durch die HFGS bei Schwierigkeiten im Ausbildungsverlauf, während der Schulsemester frühzeitig passiert.

Eine weiterhin gute Abstimmung zwischen Schule und Praxis im Hinblick auf die Ausbildungsinhalte erachte ich als wertvoll, damit die theoretische und praktische Ausbildung möglichst gut aufeinander abgestimmt sind.

Wo sehen Sie Potenzial für eine noch engere Kooperation – etwa bei gemeinsamen Bildungsprojekten, bei der Vorbereitung von Praxiseinsätzen oder in der Weiterbildung von Praxisbildnerinnen und Praxisbildnern?

Die Spitex wird vermehrt in den Fokus gerückt, was meiner Meinung nach sinnvoll und wichtig ist. Es ist ein wachsender Versorgungsbereich, welcher immer mehr an Bedeutung gewinnt. Spezifische Schulsequenzen mit dem Fokus auf den Versorgungsbereich der Spitex wären spannend und zukunftsorientiert. Wichtige Kernthemen sehe ich insbesondere in der systematischen Erfassung von komplexen Pflegesituationen, in der Begleitung und Beratung von Menschen in Krisen, wie auch die Beratung und Unterstützung von Angehörigen.

Wenn Sie einen Wunsch frei hätten: Was würden Sie sich von einer Höheren Fachschule wie der HFGS wünschen, um Ihre Rolle in der Praxisbildung bestmöglich wahrnehmen zu können?

Ich wünsche mir einen regelmässigen Austausch zu übergeordneten Ausbildungsthemen sowie zu inhaltlichen Schwerpunkten, die für die Studierenden besonders relevant sind. So kann die Praxis gezielt an die schulischen Inhalte anknüpfen und die Ausbildung insgesamt stimmig gestaltet werden.

Wie verändert sich das Kompetenzprofil einer Pflegefachperson in der Spitex aktuell –zum Beispiel durch Digitalisierung, komplexere Klienten Situationen oder neue Versorgungsmodelle?

Frühere Spitalentlassungen und die demografische Entwicklung führen dazu, dass die Versorgung zu Hause komplexer und herausfordernder wird. Pflegefachpersonen müssen die Fähigkeit haben, eine Situation ganzheitlich zu erfassen und mit mehreren interdisziplinären Stellen zusammen zu arbeiten und dabei stets den Überblick zu behalten. Die zunehmende Digitalisierung erfordert ausgeprägte digitale Kompetenzen und zunehmen auch die Auseinandersetzung mit KI. Wir schulen unsere Mitarbeitenden und auch die Studierenden gezielt zu aktuellen Themen und sind bestrebt, als dynamischer Betrieb mit regelmässigen internen Weiterbildungen den veränderten Rahmenbedingungen und Anforderungen gerecht zu werden.

Welche neuen oder vertieften Kompetenzen sollte die Ausbildung in den nächsten Jahren unbedingt stärken, damit Spitex-Betriebe wie die Ihre gut aufgestellt bleiben?

Die Fähigkeit zur ganzheitlichen Erfassung und klinischen Einschätzung einer Pflegesituation und dabei den Fokus zeitgleich auf Qualität und Menschlichkeit richten zu können bleibt zentral und wird auch in Zukunft zu den Kernkompetenzen gehören. Entscheidungen selbständig zu treffen und geeignete Massnahmen einzuleiten und sich interdisziplinär vernetzen zu können sind alles Fähigkeiten, die weiterhin vertieft und gestärkt werden müssen.

Damit die Pflegefachpersonen gesund bleiben, ist die Stärkung der Resilienz und der persönlichen Gesundheit ein ebenso wichtiges Thema, dem auch in Zukunft hohe Aufmerksamkeit geschenkt werden soll.

Was verstehen Sie persönlich unter einer „zeitgemässen“ HF-Pflegeausbildung, die der Realität einer zertifizierten, qualitätsorientierten Spitex entspricht?

Eine zeitgemässe HF-Pflegeausbildung verbindet fundiertes pflegerisches Fachwissen mit hoher Selbstständigkeit, interprofessioneller Zusammenarbeit und einem ausgeprägten Qualitäts- und Verantwortungsbewusstsein. Im Zentrum steht die Fähigkeit, Menschen in ihrem häuslichen Umfeld ganzheitlich zu begleiten. Die Studierenden sollen lernen, pflegerische Situationen eigenständig einzuschätzen, Prioritäten zu setzen und auch in dynamischen oder unvorhersehbaren Situationen sicher zu handeln. Gerade in der Spitex sind klinisches Denken, Beobachtungsgabe und vorausschauendes Handeln besonders wichtig, da häufig ohne direkte Präsenz einer anderen Fachperson gearbeitet wird.

Was macht für Sie persönlich die Arbeit mit Studierenden in der Spitex besonders spannend und sinnstiftend?

Die Studierenden bringen Freude und Motivation mit. Sie auf ihrem Ausbildungsweg und dem Lernprozess zu begleiten ist sehr spannend und eindrücklich. Nach dem Studium sind sie in der Lage, komplexe Situationen zu erfassen, kritisch zu Reflektieren und auch in dynamischen Situationen die Ruhe zu bewahren und Prioritäten zu setzen sowie Massnahmen abzuleiten und umzusetzen. Ich finde es spannend zu sehen, wie sich die Dynamik in einem Pflegeteam verändert, wenn Studierende dazukommen und ihr neu erworbenes Wissen einbringen. Das ist sehr wertvoll und wird allseits geschätzt.

Welchen Rat geben Sie Studierenden mit auf den Weg, die sich eine berufliche Zukunft in der Spitex vorstellen können?

Ich empfehle Ihnen, ihr Fachwissen laufend aktuell zu halten und an ihren Kompetenzen weiterzuarbeiten, auch nach dem Studium, um den steigenden Herausforderungen und der grösser werdenden Komplexität der Klienten Versorgung in der Spitex kompetent gegenüberzustehen. Ich informiere die Studierenden über die Möglichkeiten, ihr Fachwissen und ihre Fähigkeiten in spezifische Richtungen weiterzuentwickeln, um zu Fachexpertinnen und Experten zu werden. Um langfristig in der Spitex bzw. im Pflegebereich arbeiten zu können und dabei gesund zu bleiben ist es ebenso wichtig, für einen Ausgleich zum Arbeitsalltag zu sorgen und sich um die persönliche Gesundheit zu bemühen.

Gibt es ein Beispiel aus der Spitex Heitersberg, das für Sie besonders gut zeigt, wie gute Ausbildungskooperation zwischen Schule und Praxis gelingt?

In der Spitex Heitersberg durfte ich bereits einige Erfolgsgeschichten begleiten und verfolgen. Dabei sticht kein besonderer Fall heraus, sondern vielmehr die Einzigartigkeit jeder/s Studierenden und ihrem/seinem ganz individuellen Weg zum Diplom.